Für einen mitten im Zweiten Weltkrieg errichteten Zweckbau ist der Luftschutzbunker an der Eberstadtstraße im Frankfurter Stadtteil Praunheim erstaunlich schmuckvoll ausgestattet. Ein runder Treppenturm, dessen Fenster mit rotem Sandstein gefasst sind, erinnert ein wenig an eine Burg, denn unter der Dachkante befindet sich ein auffälliges, gezahntes Gesims. An der Nordostecke ist ein mehrere Meter großer Adler aus Sandstein angebracht. In seinen Fängen hält er einen Lorbeerkranz, in dessen Zentrum sich ursprünglich ein Hakenkreuz befand, das heute aber mit Zement kaschiert ist. Für die Vergabe der Sandsteinarbeiten wurde der Architekt Franz Throll angeblich gerügt: In den Kriegsjahren 1941/42 sollten Bunker nur noch zweckmäßig sein, Schmuckelemente wurden als entbehrlich angesehen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in dem 46 Meter langen und 16 Meter breiten Gebäude, das einst bis zu 878 Personen Schutz bot, Akten des Stadtarchivs gelagert. Seit 2012 ist der außergewöhnlich gut erhaltene Bunker ein Baudenkmal. Vor einigen Jahren hat ein Unternehmer aus Darmstadt das Gebäude gekauft. Seitdem ist der Umbau in Wohnungen geplant, erste Pläne stammten von dem kürzlich gestorbenen Frankfurter Architekten Jo Franzke. Die massive Stahlbetonkonstruktion bleibe demnach erhalten. Unter anderem soll es einen zweigeschossigen Anbau geben.
Um den Umbau zu ermöglichen, hat die Stadt dem Eigentümer des Bunkers schon 2020 einen benachbarten Grundstücksstreifen verkauft, doch lange ging es nicht voran. Jetzt sucht der Entwickler Kapitalanleger, die eine oder mehrere der 37 Wohnungen kaufen. Überwiegend werden Apartments mit einer Fläche von 46 bis 70 Quadratmetern angeboten, es gibt aber auch vier größere Wohnungen mit mehr als 100 Quadratmetern. Die Preise beginnen bei rund 387.000 Euro. Wenn mindestens die Hälfte der Einheiten verkauft ist, sollen die Arbeiten beginnen, teilte der Frankfurter Immobilienberater Dieter Sallinger mit, der das Projekt koordiniert. Die Fertigstellung ist für 2028 vorgesehen.
Stadt verzichtete auf geförderte Wohnungen
Als mögliche Nutzer werden im Verkaufsprospekt internationale Geschäftsleute genannt. Angestrebt werden Mieten von 22 Euro je Quadratmeter. Auf dieser Basis sowie durch Steuervorteile und Zuschüsse soll sich das Projekt für Kapitalanleger rechnen. Der für Praunheim zuständige Ortsbeirat hatte zwar gefordert, im Bunker einen Anteil von 30 Prozent geförderten Wohnungen vorzusehen. Wegen der hohen Baukosten verzichtete die Stadt allerdings darauf, diese gegenüber dem Eigentümer durchzusetzen.
Anders verhält es sich bei einem kleineren Bunker an der Brühlstraße in Heddernheim. Diesen hat die städtische ABG Holding umgebaut und um einen Anbau ergänzt. Dort gibt es jetzt 14 öffentlich geförderte Wohnungen. Etwas länger zurück liegt der Umbau eines Bunkers an der Gründenseestraße in Fechenheim, der als besonders gelungenes Beispiel für den Umgang mit geschützter Bausubstanz gilt. Neun Mietwohnungen sind dort entstanden.
Allerdings sind nicht alle alten Bunker erhaltenswert oder eignen sich für einen Umbau. Einige wurden bereits abgerissen. An der Stelle des früheren Bunkers an der Thudichumstraße in Rödelheim steht heute zum Beispiel ein Seniorenheim. Und auf dem Bunkergrundstück an der Herxheimer Straße im Gallus errichtet die ABG Holding einen Neubau mit 42 geförderten Wohnungen.
Nicht wirtschaftlich waren für das kommunale Wohnungsbauunternehmen dagegen Pläne, den Bunker an der Petterweilstraße in Bornheim aufzustocken und umzubauen. Die Zukunft des Gebäudes, das derzeit nur als Lager genutzt wird, ist offen. Ob dort Übungsräume für Musikgruppen eingerichtet werden könnten, hat der Magistrat bisher nicht untersucht.