Stand: 22.10.2026, 08:00 Uhr
Kommentare
Das Vertrauen der Russen in Putin sinkt einer Umfrage zufolge deutlich – auch andere Staatsorgane verlieren Rückhalt.
Moskau – Das Vertrauen in die politische Führung ist in Russland einer Umfrage zufolge gegenüber dem Vorjahr deutlich zurückgegangen. So ist der Anteil der Befragten, die dem Präsidenten vertrauen, binnen eines Jahres um zehn Prozentpunkte auf 73 Prozent gesunken. Damit bleibt der Wert hoch, fällt aber deutlich niedriger aus als im September des Vorjahres.
Content-Partnerschaft
Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsinfive.de.
Der Rückgang betrifft fast alle untersuchten politischen Institutionen, wie das russische Meinungsforschungsinstitut Lewada-Zentrum in seiner Auswertung mitteilt. Die Befragten sollten angeben, ob die jeweilige Institution „voll und ganz Vertrauen verdient“. Insgesamt bewege sich das Vertrauen wieder „auf dem Niveau der Jahre 2023 bis 2024“, heißt es in der Untersuchung.

Bei der Regierung fiel der Vertrauensanteil demnach um neun Prozentpunkte auf 54 Prozent. Die beiden Parlamentskammern, Staatsduma und Föderationsrat, erreichten jeweils 45 Prozent – ein Minus von je sieben Punkten. Regionalbehörden kamen nach einem Rückgang um drei Punkte auf 49 Prozent.
Nur bei den örtlichen Behörden habe sich unter den politischen Institutionen nichts verändert: Ihnen vertraue weiterhin die Hälfte der Befragten. Politische Parteien erreichten dagegen 38 Prozent, drei Punkte weniger als ein Jahr zuvor. Sie gehören damit zu den Einrichtungen mit den niedrigsten Vertrauenswerten der gesamten Erhebung.
Militär und Sicherheitsbehörden büßen ebenfalls ein
Auch bei Armee und Sicherheitsapparat weist die Untersuchung Verluste aus. Dem Militär vertrauten 69 Prozent der Befragten, sechs Prozentpunkte weniger als zuvor. Die Staatssicherheitsorgane erreichten 61 Prozent und verloren fünf Punkte. Für beide Bereiche beschreibt das Institut ebenfalls eine Rückkehr zu früheren Vertrauenswerten.
Bei der Polizei betrug der Rückgang demnach zwei Prozentpunkte auf 53 Prozent. Gerichte kamen auf 46 Prozent, die Staatsanwaltschaft auf 45 Prozent. Das entspricht Einbußen von vier beziehungsweise drei Punkten. Auch innerhalb der Justiz fiel die Entwicklung damit je nach Institution unterschiedlich aus.
Bei den meisten politischen Einrichtungen sei das Vertrauen unter Menschen unter 25 Jahren höher als in anderen Altersgruppen, erläutert das Institut. Beim Präsidenten zeige sich jedoch das umgekehrte Bild: Ältere Befragte vertrauten ihm häufiger als jüngere. Auch die Armee schneide bei älteren Menschen etwas besser ab.
Weniger Bewegung bei Wirtschaft und Gesellschaft
Wirtschaftliche Organisationen hätten insgesamt geringere Einbußen verzeichnet, heißt es weiter. Kleine und mittlere Unternehmen erreichten unverändert 50 Prozent. Banken verloren einen Punkt auf 45 Prozent. Am unteren Ende lagen Gewerkschaften mit 37 Prozent und große Unternehmen mit 36 Prozent.
Für Kirche und religiöse Organisationen ermittelte das Institut einen Vertrauensanteil von 62 Prozent. Hilfsorganisationen erreichten 53 Prozent, Medien 47 Prozent. Wesentliche Veränderungen gegenüber dem Vorjahr stellte die Untersuchung für diese Einrichtungen nicht fest.
Für die nach Institutsangaben repräsentative Erhebung wurden vom 23. bis 30. September insgesamt 1.616 Erwachsene persönlich zu Hause befragt. Sie lebten in 137 Ortschaften in 50 russischen Regionen. Quellen: Lewada-Zentrum, nif/red.