Nosferatu-Spinne: Warum sie im Herbst öfter in Wohnungen zu finden ist

Die wohl unbeliebteste Mitbewohnerin Deutschlands ist zurück. Bei niedrigen Temperaturen und Frost macht es sich nicht nur der Mensch in der warmen Wohnung gemütlich. Begegnungen mit Spinnen sind zu dieser Jahreszeit in den meisten deutschen Haushalten die Regel. Doch die Achtbeiner wandern nicht allein wegen des Wetterumschwungs in die Wohnungen. „Sie sind eigentlich immer da“, sagt Silvia Teich vom Naturschutzbund Deutschland (NABU). In den Herbst- und Wintermonaten würden sie lediglich öfter bemerkt. Dann sei der Mensch schließlich auch häufiger im Haus.

Von den rund 1000 heimischen Spinnenarten in Deutschland leben nur etwa ein Dutzend auch in Häusern. „Alle Arten gehören in die Natur“, sagt Teich. Eine genetische Anpassung an die menschlichen Wohnbedingungen gebe es unter Spinnen nicht. Die trockene Heizungsluft sei für sie alles andere als ideal. Das Bild von vertrockneten Gliedertieren, die man in Kellerräumen oder Garagen finde, sei vielen bekannt. Doch einige Arten kämen mit den Lebensbedingungen in den warmen Wohnungen besser klar als andere.

Neben den heimischen Zitter- und Hauswinkelspinnen gehört inzwischen auch die Nosferatu-Spinne zu den verbreiteten Hausbewohnern. Sie stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum. In Hessen sei die Spinne besonders weit verbreitet, sagt Teich. Mit ihrer Spannbreite von rund fünf Zentimetern und den behaarten Beinen gehöre die Nosferatu zu den eindrucksvolleren Spinnenarten in Deutschland. Wenn das Wetter im September und Oktober ungemütlicher werde, mache sich die eingewanderte Spinnenart auf die Suche nach einer wärmeren Umgebung. Nicht selten werde sie dann in der Wohnzimmerecke entdeckt. Die vermehrten Begegnungen seien aber nicht nur dem Wetter geschuldet. Die Herbstzeit ist für die Nosferatu-Spinne, wie für viele anderen Arten, Paarungszeit. Dann sei sie besonders aktiv. Vor allem die männlichen Tiere kämen aus ihren Verstecken, um sich den Weibchen zu präsentieren.

Ein regelrechter Nosferatu-Boom

In dem Meldeportal „Naturgucker“ des NABU können Begegnungen mit dem Tier eingetragen werden. „Das Konzept gibt es schon einige Jahre, für alle Pflanzen- und Tierarten“, sagt Teich. Im Herbst 2022 rief der NABU in einem offiziellen Pressestatement dazu auf, Sichtungen zu melden. Es folgte ein regelrechter Nosferatu-Boom. Innerhalb weniger Wochen wurden in dem Onlineportal rund 25.000 Begegnungen eingetragen. Die Daten werden von einem Team aus Biologen ausgewertet. Dadurch können Veränderungen in den Beständen festgestellt werden. „Das geht auch über die Naturgucker-App auf dem Handy“, sagt Teich. Um eine Begegnung zu melden, braucht es nur wenige Klicks. „Am besten wird auch ein Foto hochgeladen.“ So könnten die Biologen Verwechslungen ausschließen.

Mit ihrem spektakulären Körperbau erschreckt die Nosferatu-Spinne empfindsame Gemüter, doch Teich gibt Entwarnung. Mit ihrem Beißwerkzeug kann sie im Gegensatz zu anderen heimischen Spinnen die menschliche Haut zwar durchdringen, schlimmer als ein Wespenstich sei das aber nicht. „Es ist unangenehm, aber nicht gefährlich.“ Wie andere ansässige Spinnenarten auch hat die Nosferatu daher vor allem einen Nutzen für den Menschen: Sie befreit die Wohnung von Stechmücken und Fliegen. Da es sich bei der invasiven Art um eine Jagdspinne handelt, gelingt ihr das sogar ohne Spinnennetz.

Wer seinen ungebetenen Gast trotzdem loswerden möchte, greife am besten zu Glas und Pappe. Alles andere könne Teich nicht empfehlen: „Der Staubsauger ist eine Tierquälerei.“ Es gebe keinen Grund, die Spinne nicht am Leben zu lassen. Zu ätherischen Ölen, die Spinnen angeblich fernhalten sollen, sagt Teich, die Wirkung dieser Öle sei bisher nicht bestätigt. Nur Insektensprays an den Hauseingängen könnten helfen. „Wenn die Fenster oder Türen geöffnet werden, kann aber immer mal eine Spinne hineingelangen.“

Für die nächsten Jahre erwartet die NABU-Mitarbeiterin eine steigende Nosferatu-Population in Deutschland. „Man kann die Ausbreitung beobachten. Sie verläuft von Südwesten nach Nordosten“. An die neue Mitbewohnerin wird man sich in Deutschland also gewöhnen müssen. Teich hat einen simplen Tipp: „Die Spinne am besten einfach in Ruhe lassen.“