Stand: 22.07.2026, 06:00 Uhr
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Philipp Kraft wird für eine Anti-Müll-Kampagne fotografiert. Monate später entdeckt ein Kumpel sein Gesicht auf einem Glascontainer.
Maintal – Es gibt Menschen, die davon träumen, Model zu werden. Philipp Kraft hat diesen Traum nie geträumt. Ein Model ist er trotzdem geworden, wenn auch eher unfreiwillig. Zwar hat der Dörnigheimer es nicht auf die Coverseite der großen Modemagazine geschafft. Dafür prangt sein Gesicht seit dem Frühling auf Glascontainern und Mülleimern im Stadtgebiet Frankfurt. Ein Einsatz für die Tonne, könnte man meinen. Doch weit gefehlt: Philipp Kraft wirbt für die Kampagne „Zero Waste Frankfurt“, mit der das Umweltamt der Stadt den Restmüll pro Kopf und Jahr von derzeit 205 kg auf 120 Kilogramm reduzieren will. So will die Stadt Frankfurt als eine der ersten Städte Deutschlands Zero Waste City werden.

Mülltrennung ist dem 39-Jährigen natürlich wichtig, erzählt er uns. Trotzdem habe er nicht damit gerechnet, zum Werbesicht der Kampagne zu werden. „Ich bin niemand, der gern im Mittelpunkt steht“, sagt Kraft, der seit 2015 das Tattoo-Studio „Iron Horse“ am Käthe-Jonas-Platz betreibt.
Philipp Kraft wird unerwartet zum Modell – Alles begann mit einem Fotoshooting mit seinem Hund
Ihren Anfang nimmt die Modelkarriere im vergangenen Sommer. Philipp Kraft steht vor seinem Tattoo-Studio, als ihn ein junger Mann anspricht. Er habe Kraft mit seinem Hund beim Gassigehen gesehen. Für eine Müll-Vermeidungs-Kampagne suche er noch ein Model mit Hund für das Thema Biomüll. Er fragt Kraft, ob er Lust drauf hätte. Kraft war zunächst skeptisch. Model? Er? „Dann dachte ich mir: Warum nicht? Wann bekommt man schon professionelle Fotos mit seinem Hund? Die Idee fand ich cool.“ Drei Wochen später macht er sich zusammen mit seiner englischen Bulldogge „Gladstone“ auf den Weg zu der Agentur nach Frankfurt.
Kampagne der Stadt Frankfurt
Frankfurt möchte, als eine der ersten Städte Deutschlands, Zero Waste City werden. Zero Waste meint „keine Verschwendung“ und damit weniger Müll. Genau dies ist das Ziel der groß angelegten
Kampagne: Gemeinsam mit allen Menschen in Frankfurt soll der Restmüll pro Kopf und Jahr von derzeit 205 kg auf 120 Kilogramm reduziert werden, zum Beispiel durch eine bessere Mülltrennung, die Stärkung der Wiederverwendung und die Reduzierung des Restabfalls. Frankfurter können sich außerdem beim Waste-Bewerb anmelden und an einer Verlosung teilnehmen. Alle Infos gibt es unter www.zerowaste-ffm.de
Ein Profi-Fotograf aus Berlin macht die vereinbarten Fotos von Hund und Herrchen auf der Wiese. Philipp Kraft ist zufrieden. Er denkt, der Job sei erledigt. Doch dann wird er gefragt, ob noch Fotos mit ihm allein gemacht werden können, im Hof, neben dem Mülleimer. Er stimmt zu, lässt sich ablichten, mal mit Daumen hoch, mal mit Daumen runter. Man sagt ihm, dass die Fotos in der App verwendet werden, sowie als Plakatwerbung an vier U-Bahn-Stationen laufen, sechs Tage lang, zwischen 22 und null Uhr. „Aber ich habe nicht damit gerechnet, dass ich in ganz Frankfurt auf Mülleimern und Glascontainern klebe“, sagt er und lacht.
„Es ist am Ende einfach witzig“: Kumpel entdeckt ihn durch Zufall auf einem Container
Davon erfährt der Tätowierer erst im Frühjahr. Im April entdeckt ein Kumpel sein Gesicht mit dem Slogan „Müll trennen, Rohstoffe retten“ auf einem Container und schickt ihm ein Foto. Weitere Schnappschüsse folgen. Der Dörnigheimer nimmt es gelassen. Er habe zwar nichts unterschrieben, sei aber niemandem böse. „Es ist am Ende einfach witzig“, sagt er. Immerhin habe er sein Gesicht für die gute Sache hergegeben. Weniger Müll zu produzieren, korrekt zu trennen und so am Ende die Umwelt zu schützen, das versuche er selbst im Alltag, sagt der 39-Jährige.
Ich bin niemand, der gern im Mittelpunkt steht.
Regelmäßig sammle er den Müll auf dem Käthe-Jonas-Platz ein, weil sich die Stadt seiner Meinung nach nicht ausreichend um Sauberkeit bemühe. Weil er als Tätowierer überdurchschnittlich viel Restmüll produziere, versuche er, seinen ökologischen Fußabdruck in anderen Bereichen zu reduzieren, etwa indem er öfter das Auto stehenlässt oder regionale Produkte einkauft. Und die Model-Karriere? Geblieben sind eine Aufwandsentschädigung von etwa 120 Euro, schöne Fotos mit Bulldogge Gladstone – und ein bisschen Ruhm als Anti-Müll-Held.