Operation „Epic Fury“ hat sich längst als folgenschwerer Fehler der Vereinigten Staaten erwiesen. Bevor die amerikanischen Streitkräfte Ende Februar Iran angriffen, hatte Donald Trump Bedenken ignoriert, das Regime in Teheran könnte trotz aller militärischen Überlegenheit der Vereinigten Staaten die Straße von Hormus als Hebel benutzen. Genau so ist es gekommen. Die für den globalen Handel und den Öltransport wichtige Meerenge wird immer wieder blockiert, da hilft auch die Gegenblockade iranischer Häfen durch die amerikanische Marine nicht. Die Iraner wissen, wie sie dem amerikanischen Präsidenten kurz vor den Kongresswahlen im November Schaden zufügen können.
Sieben Monate nach Beginn des Irankrieges geht es allerdings um weit mehr als um taktische Spielchen des Rumpfregimes in Teheran. Das Scheitern Amerikas hat eine Dimension, die über den Wahlkalender hinausgeht. Iranische Raketen und Drohnen haben in weit größerem Ausmaß, als von Washington anfänglich offengelegt, amerikanische Militärbasen in der Region beschädigt. Und in diesem Scheitern liegt das Potential, den gesamten Nahen Osten neu zu ordnen.
Wie man inzwischen weiß, hat Iran schon in den ersten Kriegstagen amerikanische Treibstofflager und Schiffsreparaturwerften zerstört, High-Tech-Kommandozentralen getroffen und Wohnquartiere in Schutt und Asche gelegt. Allein von der Militärbasis in Bahrain, die das Hauptquartier der 5. Flotte beherbergt und alle Schiffstypen der amerikanischen Marine aufnehmen kann, wurden 1500 Soldaten und ihre Angehörigen in Sicherheit gebracht. Und zwar in aller Eile: Fahrzeuge, persönliche Gegenstände und Haustiere mussten zurückgelassen werden. Auch sieben Monate später befindet sich nur unabkömmliches Personal auf der Basis, die über Jahrzehnte der Anker amerikanischer Seemacht in der Region war.
Militärbasen sind nur noch teilweise funktionsfähig
Neben dem Stützpunkt in Bahrain, vom Pentagon bisher als die verkehrsreichsten 60 Hektar Land auf der Welt bezeichnet, nahm Teheran auch die amerikanischen Militärbasen in Kuwait, Qatar, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien, Oman, Jordanien und im Irak ins Visier. Mindestens 18 Militärangehörige wurden dabei getötet und etwa 800 verletzt. Tausende Soldaten und Familienangehörige wurden verlegt.
Der Generalinspekteur der amerikanischen Streitkräfte legte kürzlich eine Schadensbilanz vor: Hunderte Gebäude seien auf den Militärbasen am Golf beschädigt worden. Zerstört wurden zudem ein F-15-Kampfflugzeug, ein F-35-Kampfflugzeug, fünf KC-135-Tankflugzeuge, ein E-3-Luftaufklärer, ein Kampfhubschrauber vom Typ AH-64 sowie bis zu 30 MQ-9-Drohnen. Separat meldete das State Department Schäden an Auslandsvertretungen in mehreren Ländern.

Die Militärbasen sind aufgrund der Schäden und des Personalabzugs nur noch teilweise funktionsfähig. Das hat unmittelbare Folgen für den gegenwärtigen Krieg beziehungsweise die brüchige Waffenruhe. Die Marine etwa ist vor eine Fülle von Herausforderungen gestellt. So haben amerikanische Kriegsschiffe, die in der Straße von Hormus die Gegenblockade iranischer Häfen durchzusetzen versuchen, Probleme, an Treibstoff, Lebensmittel für die Matrosen und andere Güter zu kommen.
Dazu diente bislang die Marinebasis in Bahrain. Nun muss man auf die Basis Diego Garcia im Indischen Ozean ausweichen – 3500 Kilometer vom Golf von Oman entfernt. So kam es, dass der Flugzeugträger USS Abraham Lincoln 250 Tage auf See war, abgesehen von kurzen Stopps in Guam und Oman. Die Bedingungen an Bord müssen katastrophal gewesen sein, weshalb der Flugzeugträger inzwischen in seinen Heimathafen zurückbeordert wurde. In den nächsten Wochen wird die Abraham Lincoln in San Diego erwartet.

Die Schäden an den Militärbasen treffen die amerikanischen Streitkräfte allerdings nicht nur unmittelbar im Krieg, sondern auch grundsätzlich. Längst gibt es eine Debatte darüber, ob die Stützpunkte zu halten sind. In dieser Woche verließen die letzten 2500 amerikanischen Soldaten den Irak. Die Anti-IS-Mission der amerikanisch geführten Koalition ist beendet. Ist die Räumung des Postens ein Vorbote für das, was anderswo bevorsteht?
Admiral Daryl Caudle, Chef der Marineoperation, sagte kürzlich am Stützpunkt in Fort Meade in Maryland mit Blick auf den Standort in Bahrain, die Marine werde in absehbarer Zeit nicht auf die Basis zurückkehren können. Er wolle einfach ehrlich sein. Noch deutlicher wurde General David Petraeus, der frühere CIA-Direktor und einstige Kommandeur der amerikanischen Truppen im Nahen Osten: Nötig sei nun ein vollständiges Umdenken nicht nur mit Blick auf die Standortorte der Militärbasen und regionalen Hauptquartiere, sondern grundsätzlich darüber, wie das Militär künftig operieren soll.
Geschlossene Basen bedeuten Machtverlust
Was heißt das für die Hegemonie Amerikas in der Region? Klar ist: Eine Verkleinerung des militärischen Fußabdrucks der Vereinigten Staaten, die Verlegung von Soldaten oder gar die Schließung von Basen ginge mit Machteinbußen einher. Die Überdehnung amerikanischer Macht hatte mit George W. Bushs Irakkrieg begonnen. Findet sie unter Trumps Irankrieg ihren Abschluss?
Die Verschiebung des Koordinatensystems hat bereits begonnen: Die Schutzmacht Amerika hat am Golf an Vertrauen eingebüßt. Saudi-Arabien sucht Unterstützung bei regionalen Mächten wie der Türkei und Pakistan, um seine offenen Flanken zu verteidigen. Und die amerikanischen Debatten über einen groß angelegten militärischen Abzug dürften unter den Alliierten den Vertrauensverlust befördern. Ein solcher wäre ein Zeichen dafür, dass Washington seine Partner jetzt, da die Region durch den Irankrieg in Flammen steht, im Stich lässt.

Gerade das Verhältnis zu Saudi-Arabien, dem wichtigsten Partner Washingtons, hat zuletzt merklich gelitten. Wie andere Führungen am Golf hatte Riad einen Krieg gegen den regionalen Rivalen Iran zu diesem Zeitpunkt abgelehnt. Jetzt herrscht Sorge, dass Trump seine Partner im Regen stehen lässt, etwa indem er einen überhasteten Deal mit Teheran eingeht, der die Sicherheitsinteressen der arabischen Golfstaaten übergeht. Der saudische Kronprinz und faktische Herrscher Muhammad bin Salman hat derzeit kein Interesse daran, dass der amerikanische Druck auf Iran so schnell nachlässt. Das soll er gegenüber Washington auch deutlich gemacht haben.
Aber der starke Mann Saudi-Arabiens hat gerade einen weiteren Hinweis darauf erhalten, dass er sich nur bedingt auf die Vereinigten Staaten verlassen kann. In der eskalierenden Konfrontation mit den von Iran geförderten Huthi-Rebellen versuchte er vergeblich, den Präsidenten zu einem militärischen Eingreifen zu bewegen. Eine ähnliche Erfahrung hatte er schon im September 2019 gemacht. Seinerzeit hatte Trump eine Politik „maximalen Drucks“ auf das Regime in Teheran verfolgt. Iran ließ arabische Helfershelfer gegen Saudi-Arabien losschlagen, die zentrale Ölanlagen des Königreiches mit einem Schwarm von Drohnen und Raketen attackierten. Riad erhielt von Trump nur minimale Unterstützung.
Die Schließung amerikanischer Stützpunkte würde ein womöglich noch verheerenderes Signal aussenden, auch wenn diese für die Golfstaaten Segen und Fluch zugleich sind. Sie waren über Jahrzehnte ein Instrument der Abschreckung, was mit dem amerikanisch-israelischen Angriff auf Iran allerdings obsolet wurde. Auch wenn der iranische Beschuss oft ziviler Infrastruktur in Staaten wie Saudi-Arabien, den Emiraten oder Qatar galt – die amerikanische Militärpräsenz diente dem Regime in Teheran zumindest als Vorwand, seine arabischen Nachbarn mit Raketenangriffen zu überziehen.
An einer Abwicklung der Basen hat man am Golf kein Interesse
In einem Fall hat Muhammad bin Salman der Bewegungsfreiheit des amerikanischen Militärs schon Grenzen gesetzt: Im Mai untersagte er die Nutzung des saudischen Luftraums und der Prinz-Sultan-Luftwaffenbasis für die Operation „Project Freedom“ – eine Mission, um Schiffe sicher durch die Straße von Hormus zu führen. Selbst ein Telefonat Trumps mit dem Kronprinzen habe die Meinungsverschiedenheit nicht aus der Welt schaffen können, hieß es damals.
Womöglich wollen die Golfstaaten in Zukunft mehr mitreden können, wofür die amerikanischen Stützpunkte genutzt werden. Aber daran, dass die Militärbasen abgewickelt werden, haben die Führungen am Golf trotz aller Zweifel an der Verlässlichkeit Trumps kein Interesse. Am deutlichsten hat das zuletzt Anwar Gargash gesagt, Spitzendiplomat der Vereinigten Arabischen Emirate, der als Sprachrohr der Außenpolitik des emiratischen Herrschers Muhammad Bin Zayid Al Nahyan gilt. In einem Interview mit der Zeitschrift „Foreign Affairs“ sagte er, die amerikanische Militärpräsenz sei „essenziell“; Washington sei jetzt noch wichtiger als vor dem Krieg.
Das kleine Emirat Qatar hatte sich nach den Worten Trumps noch im Mai 2025 verpflichtet, zehn Milliarden Dollar in den Ausbau der Luftwaffenbasis von Al-Ubaid zu investieren, des größten amerikanischen Stützpunkts in der Region. Dieser ist die zentrale Drehscheibe für Luftwaffeneinsätze. Das dort ansässige „Combined Air Operations Center“ ist nach eigenen Angaben für die Führung und Kontrolle von Luftwaffeneinsätzen in einer 21 Staaten umfassenden Region zuständig, die sich von Nordostafrika über den Nahen Osten bis nach Zentral- und Südasien erstreckt.
Selbst der emiratische Spitzendiplomat Gargash, der die Bedeutung Amerikas in der Region hervorhebt, sieht eine „Ironie“ darin, dass Washington derzeit mehr und nicht weniger gebraucht werde. Es ist, wie auch er sagt, offensichtlich, dass die Vereinigten Staaten mit ihrem Militär vor allem die eigenen Interessen schützen und nicht ihre regionalen Partner. Und so ist aus mehreren Führungen am Golf zu hören, dass man in Zukunft stärker auf eigenen Füßen stehen sollte, um sich gegen Teheran zu behaupten.
Iran könnte seinem Ziel näher kommen
Das Vakuum, das eine mögliche Ausdünnung der amerikanischen Militärpräsenz zur Folge hätte, gedenkt Iran allerdings selbst zu füllen. Immer wieder spricht das Regime von einer neuen regionalen Sicherheitsarchitektur, in der die Golfstaaten gezwungen wären, sich mit Iran zu arrangieren und dessen herausgehobene Stellung anzuerkennen. Wenn es so käme, wäre das Regime seinem zentralen Ziel im Konflikt mit den Vereinigten Staaten erheblich näher gekommen. Schon seit Jahrzehnten ist seine Sicherheitsstrategie darauf ausgelegt, das amerikanische Militär aus der Region zu vertreiben.
Spätestens seit dem amerikanischen Einmarsch im Nachbarland Irak im Jahr 2003 hat sich das Regime systematisch auf die aktuelle Konfrontation vorbereitet. Als der Krieg im Februar begann, verfügte Iran nicht nur über das größte Raketenarsenal im Nahen und Mittleren Osten, sondern auch über unterirdische Anlagen, in denen es seine Waffendepots vor Luftangriffen schützen konnte. Auch Irans Raketenproduktionsstätten sind teilweise unterirdisch. So konnte Teheran die Zeit des brüchigen Waffenstillstands seit April offenbar nutzen, um sein Arsenal wieder aufzufüllen, obwohl das Pentagon im Mai erklärt hatte, 90 Prozent der iranischen Produktionskapazitäten geschwächt zu haben. Hinzu kommt Irans großes Arsenal an kostengünstigen Drohnen, mit denen es Amerika zwang, seine um ein Vielfaches teureren Abwehrraketen zu verschießen.
Die Präzision, mit der Iran militärisches Gerät und Gebäude auf amerikanischen Basen zerstörte, verdankt es wohl der Unterstützung Russlands und Chinas. Zum Beispiel beim Angriff auf die Prinz-Sultan-Luftwaffenbasis in Saudi-Arabien im März, bei dem elf amerikanische Soldaten verwundet und ein AWACS-Aufklärungsflugzeug zerstört wurde. Zwei Tage zuvor bewegten sich laut dem Sender CNN 14 russische Aufklärungssatelliten über dem Stützpunkt. Bei einem Angriff auf die jordanische Luftwaffenbasis Muwaffaq Salti, bei dem drei amerikanische Soldaten getötet wurden, soll Teheran sich auf Satellitenbilder chinesischer Unternehmen gestützt haben.
Moskau soll Teheran außerdem mit verbesserter Drohnentechnologie versorgt haben, in die die Schlachtfelderfahrungen aus der Ukraine eingeflossen sind. Die ursprüngliche Version der Drohne hatte Iran 2022 und 2023 an Russland geliefert. Auch bei der Entwicklung von Überschall-Marschflugkörpern soll Moskau seinem Verbündeten behilflich sein. Mit einer solchen Waffe könnte Iran noch glaubwürdiger amerikanische Kriegsschiffe bedrohen. Viele der Komponenten für die iranische Drohnen- und Raketenproduktion kommen wiederum aus China.
Irans Staatsmedien zitieren derzeit genüsslich aus amerikanischen Berichten über die Zerstörungen auf amerikanischen Militärbasen. Einen besseren Zeitpunkt für die Enthüllungen als so kurz vor den Zwischenwahlen kann es aus Teheraner Sicht kaum geben. In einem „offenen Brief“ hat sich Irans Propagandaapparat gerade auf Englisch an die amerikanischen Wähler gewandt. Iran habe nicht nur die amerikanischen Militärbasen dezimiert, heißt es da. „Die größte Konsequenz dieses Krieges ist wohl der Schaden, den Amerikas Ruf als einzige Supermacht der Welt erlitten hat.“