„Vertrauen zerstört“: Pharmakonzern-Chef rechnet mit Gesundheitspolitik der Merz-Regierung ab

Stand: 02.10.2026, 18:25 Uhr

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Carsten Linnemann und Friedrich Merz

Carsten Linnemann (l.) und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) treiben Reformen im Arbeits- und Gesundheitsrecht voran. © Bernd Von Jutrczenka/dpa

Eli-Lilly-Chef Dave Ricks kritisiert Deutschlands Gesundheitspolitik scharf. Wegen Preisregulierung und fehlender Verlässlichkeit kürzt der Konzern seine Investitionen.

Berlin – Es gleicht einer Abrechnung mit den Rahmenbedingungen am Standort Deutschland: Dave Ricks, Vorstandsvorsitzender und CEO des weltweit agierenden Pharmaunternehmens, Eli Lilly, hat die deutsche Gesundheitspolitik in einem Interview mit dem Handelsblatt massiv kritisiert. Nach Verärgerung über politische Sparmaßnahmen und staatliche Preisbegrenzungen zieht der US-Pharmariese drastische Konsequenzen und halbiert seine geplanten Investitionen im rheinland-pfälzischen Alzey.

Eli-Lilly-Chef Dave Ricks kritisiert deutsche Gesundheitspolitik und stellt Forderung

Ricks kritisierte die politischen Rahmenbedingungen in Deutschland scharf. Die Vorgängerregierung habe einen Plan vorgelegt, Deutschland zum attraktivsten Investitionsstandort Europas zu machen. Darauf habe er sich verlassen. „Dieses Versprechen wurde gebrochen. Das sagt mir: Für Deutschland ist die Pharmaindustrie im Vergleich zu anderen Branchen nicht wichtig“, erklärt Ricks im Interview mit dem Handelsblatt.

Auch die von der Bundesregierung vorgeschlagene Standortklausel zur Entlastung forschender Pharmahersteller überzeugt Ricks nicht. „Jetzt sprechen wir davon, gegenüber der Ausgangslage etwas besser zu werden. Das begeistert mich nicht gerade“, sagte er gegenüber dem Handelsblatt. Mit Blick auf die politische Verlässlichkeit und Planungssicherheit sagte Ricks im Handelsblatt: „Mein Vertrauen ist zerstört.“

Ricks formuliert zugleich eine klare Forderung an die Bundesregierung: „Den Zwangsrabatt komplett abschaffen, so einfach ist das.“ Zudem müsse Deutschland eine Politik verfolgen, die dazu führe, dass etwa 0,6 Prozent der Wirtschaftsleistung für Medikamente ausgegeben würden, sagte er dem Handelsblatt.

Hintergrund: Der Streit um das Medizinforschungsgesetz

Krankenkassen und Pharmaindustrie vertreten bei der Frage nach den Arzneimittelpreisen gegensätzliche Positionen. Während die Pharmabranche vor den Folgen aus ihrer Sicht zu strenger Preisregulierung für Investitionen und Innovationen warnt, sehen die gesetzlichen Krankenkassen höhere Arzneimittelausgaben kritisch. Stefanie Stoff-Ahnis vom GKV-Spitzenverband hatte die sogenannte Lex-Lilly bereits zuvor scharf kritisiert. Höhere Beiträge für Versicherte, um letztlich höhere Gewinne der Pharmaindustrie zu finanzieren, seien aus ihrer Sicht keine gute Gesundheitspolitik.

Für Ricks geht der Konflikt allerdings über die Bedingungen für Eli Lilly in Deutschland hinaus. Der Lilly-Chef sieht die Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Pharmastandorts insgesamt gefährdet. „Als ich in der Branche anfing, war Europa führend in der Pharmaindustrie, heute nicht mehr. Dafür war nicht Pech verantwortlich, sondern schlechte Politik“, sagte er dem Handelsblatt.

Zugleich warnte er davor, dass Europa bei Forschung und Investitionen gegenüber den USA und China weiter zurückfallen könnte. Aus seiner Sicht müsse die Politik deshalb den Wert von Innovation stärker berücksichtigen und eine höhere Bereitschaft zeigen, für neue Medikamente zu zahlen. (Quellen: Handelsblatt, eigene Recherche) (nmr)