Stand: 14.08.2026, 18:07 Uhr

Niedrigwasser im Twistesee hat den Betrieb der Wasserskianlage im Twistesee in dieser Sommersaison unmöglich gemacht. Darüber ärgert sich Werner Hartmann, der vor beinah 40 Jahren Wasserski an den Twistesse gebracht hat.
Bad Arolsen-Wetterburg – „1987 habe ich diese Wasserskianlage am Twistesee gemeinsam mit zwei Mitstreitern mit eigenen Händen aufgebaut. Seit fast 40 Jahren trage ich Verantwortung für diese Anlage. Sie ist für mich weit mehr als ein wirtschaftlicher Betrieb – sie ist ein Stück meines Lebens“, sagt Werner Hartmann.
Er sorgt sich zudem um den angeschlossenen Verein mit über 100 Mitgliedern, um Kinder und Jugendliche, die hier ihren Sport ausüben, um Tausende Gäste aus nah und fern, um Gastronomie, Tourismus und einen der bekanntesten Anziehungspunkte am Twistesee. Hartmann: „Und trotzdem stehen wir noch immer vor verschlossenen Türen.“
Vorwurf: Zu spät nachgregelt
Ihm sei die Bedeutung des Twistesees für den Hochwasserschutz sehr wohl bekannt. Aber ebenso wenig dürfe ignoriert werden, dass sich die klimatischen Rahmenbedingungen verändert hätten und dass aus seiner Sicht bei der Steuerung des Wasserstands im Frühjahr Fehler gemacht worden seien.

Hartmann: „Bereits im Dezember 2025 war absehbar, dass der Wasserstand zu niedrig werden würde. Ich habe die zuständigen Stellen darauf hingewiesen. Eine frühere und konsequentere Reduzierung des Abflusses hätte nach meiner festen Überzeugung ausgereicht, um die Anlage rechtzeitig zum Saisonstart betriebsbereit zu machen.“ Stattdessen sei der Ablass erst Monate später nachgeregelt worden, aus Hartmanns Sicht viel zu spät.
„Das Drama darf sich nicht wiederholen“
Die Folgen seien verheerend: ein kompletter Saisonverlust, wirtschaftliche Schäden, enttäuschte Vereinsmitglieder, unzählige verärgerte Gäste. Hartmann weiter: „Mein Telefon steht nicht still. alle wollen wissen, wann es endlich wieder losgeht, Das ist auch ein massiver Imageschaden für den Twistesee.“
Weder im Regierungspräsidium noch bei den politisch Verantwortlichen vor Ort erkenne er den notwendigen Einsatz, um diesen Publikumsmagneten zu erhalten, klagt Hartmann Ein angekündigtes Treffen reiche nicht, es müsse konkret gehandelt werden, die Dokumentation des Ab- und Zuflusses unter die Lupe genommen und ehrlich aufgearbeitet werden, damit sich das Drama für die Wasserskianlage nicht wiederhole.
Schneeschmelze fiel aus
Das Regierungspräsidium Kassel nimmt als Obere Wasserbehörde die Gewässeraufsicht an der Twistetalsperre wahr. „Neben dem Hochwasserschutz als primärem Bestimmungszweck werden auch weitere Belange wie Naturschutz, Naherholung und Tourismus berücksichtigt. Ziel ist dabei, ein möglichst gelungener Ausgleich zwischen den unterschiedlichen Nutzungsinteressen, wobei der Hochwasserschutz und die Talsperrensicherheit Vorrang genießen“, heißt es in einer Stellungnahme des Regierungspräsidiums.

Aufgrund des trockenen Winters sei bereits das gesamte Winterhalbjahr 2025/2026 durch Abflüsse im Niedrigwasserbereich gekennzeichnet. Winterliche Hochwasserabflüsse sowie erhöhte Zuflüsse durch Schneeschmelze fehlten ebenfalls. Das Sommerstauziel konnte daher trotz der zusätzlichen Maßnahmen nicht erreicht werden, so die obere Wasserbehörde. Zurzeit liegt der Wasserspiegel knapp einen Meter unter dem Sommerstauziel.
Zu wenig Regen, zu wenig Zulauf
Bereits seit Januar 2026 werde die Talsperre im Sonderbetrieb mit reduzierter Mindestabgabe bewirtschaftet. Dies geschehe in Abweichung von den Regularien der Betriebsvorschrift, auf Antrag des Wasserverbandes und mit Zustimmung der Talsperrenaufsicht. Das Ziel, bei den seit Monaten defizitären Zuflussverhältnissen eine stärkere Entleerung der Talsperre zu dämpfen, sei damit erreicht worden. In diesem Sinne hätten der Talsperrenbetreiber und das RP Kassel den Gestaltungsspielraum zwischen wassermengenwirtschaftlichen Regeln und gewässerökologischen Notwendigkeiten mit Augenmaß umgesetzt.
Dass das Sommerstauziel in diesem Jahr außergewöhnlich deutlich unterschritten bleibe, sei nicht von der Behörde veranlasst, so das Regierungspräsidium in seiner Stellungnahme. Vielmehr sei es auf die monatelang anhaltend geringen Talsperrenzuflüsse unterhalb der Niedrigwasserwerte zurückzuführen, letztlich also auf ausbleibende Regenfälle.