Stand: 18.07.2026, 12:30 Uhr
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Die Gemeinde Weyarn will leerstehende Häuser für den Mietmarkt aktivieren. Das europäische Interreg-Projekt startet im Januar 2027 und läuft zwei Jahre.
Weyarn – Wer durch Ortschaften oder Städte geht, kann sie mit aufmerksamem Blick schnell erkennen: leer stehende Häuser, die nicht vermietet werden, weil sie dazu erst saniert oder umgebaut werden müssten. Gleichzeitig werden Wohnungen dringend gesucht. Wie können Hauseigentümer dazu aktiviert werden, ihren Besitz zu sanieren und dem Mietmarkt zur Verfügung zu stellen? Das europäische Interreg-Projekt „Bonus Wohnraum“ will hier umsetzbare Lösungen finden. Weyarn hat sich als Pilotkommune beworben.
Kommunen in Österreich beteiligt
Die Entscheidung fiel in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats – einstimmig und mit viel Zuspruch. Bürgermeister Simon Pause (SPD) stellte das Projekt eingangs kurz vor. „Auch in Weyarn gibt es viele Wohneinheiten, die nicht so ausgenutzt werden, wie es möglich wäre“, stellte er fest.
Ziel des Projekts, bei dem auch Kommunen in Österreich beteiligt sind, ist es, eine Methode zu finden, um Hauseigentümer zu Verdichtung, Umbau und energetischer Sanierung ihrer Immobilien aktivieren zu können. Die Bürgerstiftung Energiewende Oberland ist Partner im Projekt und sucht zwei Pilotkommunen aus dem Oberland.
Das Projekt würde im Januar 2027 starten und zwei Jahre laufen, informierte Pause. Die Gemeinde muss einen Eigenanteil von 5000 Euro einbringen, dafür bekommt sie unter anderem mindestens fünf Einzelberatungen von Architekten für interessierte Hauseigentümer.
Der Bauausschuss hatte das Thema bereits beraten und sich dafür ausgesprochen. Betty Mehrer (SPD) befürwortete das Projekt eindringlich. „Ich erlebe oft, dass alte Menschen in ihren Häusern nur noch das Erdgeschoss bewohnen, aber es fehlt an Ideen oder der Finanzierung, das anders zu machen“, berichtete sie von ihren Erfahrungen als Seniorenbeauftragte und Gemeinwesenarbeiterin.
Das Projekt sei sehr gut, und Weyarn sollte auf alle Fälle mitmachen – egal ob als Pilotkommune oder nur Mitglied, empfahl sie. Kommunen können auch kostenlos Teil des Netzwerks „Bonus Wohnraum“ werden, bekommen damit Informationen über Projektergebnisse und werden zu Veranstaltungen eingeladen. Eines der Ziele ist auch, barrierefreie und kleinere Wohneinheiten für ältere Menschen zu schaffen. Dazu hatte Mehrer schon in einer früheren Sitzung berichtet, dass einige Senioren, denen ihre Häuser und der damit verbundene Arbeitsaufwand zu groß geworden waren, in die Mehrgenerationenhäuser am Klosteranger gezogen sind, und die Häuser für Familien frei wurden.
Angie Hacklinger (Grüne) stellte sich ebenso hinter das Projekt. Es sei wichtig, dass das Thema mehr Öffentlichkeit bekomme. „Wohnraum ist bei uns eines der brennendsten Themen“, betonte Hacklinger, „wir sollten das offensiv angehen.“ Hans Holzinger (FWG) merkte an, dass Wohnraum auch in direktem Zusammenhang mit Fachkräftemangel oder -gewinnung stehe. Ein wichtiges Thema im Oberland. Das Projekt sei eine große Chance. „Es kann was Gutes dabei herauskommen.“
Sollte Weyarns Bewerbung erfolgreich sein, wird Holzinger zusammen mit Bauamtsleiter Andreas Haimerl Ansprechpartner in dem Projekt sein – eine der Voraussetzungen, um Pilotkommune werden zu können. Zwei bis drei Workshops oder Netzwerktreffen jährlich stehen für sie an. Die Projektkommunen bekommen außer den Architektenberatungen zudem Handlungsideen, um Nachverdichtung zu fördern, zu initiieren oder selbst zu realisieren, und es werden Kampagnen und Öffentlichkeitsarbeit organisiert und umgesetzt.
Die Bewerbung ist nach dem Votum bereits eingereicht. Noch im Juli soll bekannt gegeben werden, wer Pilotkommune ist.